Fritz Körber über das Schicksal von Oradour

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Nach der Rennes-Radfahrt 2013 wird das P-Seminar „Radfernfahrt“ im nächsten Sommer ins Limousin, Mittelfrankens französischer Partnerregion im Herzen unseres Nachbarlandes, fahren.

Dort liegt, in der Nähe von Limoges, der Hauptstadt des Limousin, das in ganz Frankreich als „village martyr“ (dt. „Märtyrerdorf“) bekannte Örtchen Oradour-sur-Glane welches den Abschluss und Höhepunkt der Tour der 30-köpfigen Radgruppe darstellen wird.

Seine traurige Berühmtheit erlangte Oradour am 10. Juni 1944, als die SS-Division „Das Reich“ in einem in Westeuropa beispiellosen Massaker 642 Einwohner ermordete. Kinder und Frauen wurden in eine Kirche gesperrt, die dann abgebrannt wurde. Alle Männer wurden in Scheunen zusammengetrieben und verloren ihr Leben durch das Feuer der auf sie gerichteten Maschinengewehre. Nur sechs Personen konnten diesem Verbrechen lebend entkommen. Darunter der inzwischen 88-jährige Robert Hébras, der an jenem Tag seine Mutter und zwei Schwestern verlor.

Dass sich nun jener Robert Hébras seit langem für die Aussöhnung zwischen den beiden ehemaligen „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich einsetzt, mag zurecht überraschen und kann wohl durch seine eigenen Worte am besten erklärt werden. Auf die Frage, wie er seinen ursprünglichen Hass auf die Deutschen überwinden konnte, um stattdessen für die Aussöhnung beider Völker zu werben, wird folgende Antwort von ihm überliefert: „Dazu hat mir mein Freund Fritz Körber geholfen.“

In seinen mit viel Herzblut vorgetragenen Ausführungen berichtete der 75-jährige Lokalpolitiker aus Behringersdorf bei Nürnberg, der sich auch in seiner Zeit als Bezirkstagsvizepräsident von Mittelfranken (1994-2003) besonders um die Partnerschaft zwischen dem Limousin und Mittelfranken verdient gemacht hat, von den historischen Ereignissen in Oradour und dem schwierigen, aber letzten Endes Erfolg versprechenden Weg der gemeinsamen Bewältigung dieses schweren Erbes.

Körbers Zuhörern aus verschiedenen Geschichtskursen der Oberstufe und den Teilnehmern des P-Seminars „Radfernfahrt“ bot sich durch den beeindruckenden Vortrag die Möglichkeit, Geschichte hautnah zu erleben. Sie nützen auch reichlich die Gelegenheit, ihre gewonnen Informationen durch interessierte Fragen zu vertiefen und dankten dem Zeitzeugen nach über 90 Minuten mit großem Beifall.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Anwesenden, als sie erfuhren, dass sich der radsportbegeisterte Körber selbstverständlich im kommenden Juli auf den Fahrradsattel schwingen wird, um sich gemeinsam mit unseren Radlern auf die 1.400 km lange Strecke zu seinem Freund nach Oradour zu machen.