In 2 Tagen rund um den Landkreis ERH

Aus Projekten werden Erlebnisse

Am 12.05.2015 ist ein Zeitungsartikel über unsere Landkreisumrundung „Rund um ERH“ mit dem Titel „Schülergruppe veranstaltet Friedensfahrt nach Oradour“ im Verteilungsgebiet Höchstadt/Aisch – Herzogenaurach erschienen. Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen wir diesen Artikel hier nicht zeigen und verweisen zur Lektüre auf den entsprechenden Link des Fränkischen Tages.

Als sich im Januar die Nachricht verbreitete, dass der 2. Wandertag direkt vor dem 1. Mai, einem Freitag, stattfindet, war schnell die Idee geboren, eine 4-tägige Radtour zu machen. Um unsere Heimatverbundenheit auszudrücken, wollten wir im Jubiläumsjahr des Bezirks Mittelfranken mit dem Limousin unseren Heimatbezirk umrunden. Nach anfänglicher Euphorie machte sich dann aber schnell die ernüchternde Einsicht breit, dass wir die 4 Tage nicht nur zum Radfahren, sondern auch zum Lernen für die Schule benötigen würden. Außerdem könnten 4 Tage Radsport am Stück noch so früh in der Vorbereitungsphase eine Überforderung darstellen.

Also passten wir den Wunsch den Realitäten an und beschlossen, nicht unseren Bezirk, sondern Kreis, hier Erlangen / Höchstadt, zu umrunden.

Die ca. 240 Kilometer lange Strecke teilten wir in eine westliche und eine östliche Etappe auf.

Tag 1

Passend zum Projekt gab Herr Landrat Tritthart den Startschuss vor dem Schloss in Erlangen.

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Unser Weg führte uns auf gewohntem Terrain zunächst Richtung Bamberg, bevor es in Hirschaid gen Westen und gegen den Wind nach Burgebrach ging. Gut, dass wir schon ganz ordentlich Windschattenfahren können!

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Trotz unserer Sitzpolster der 4. Dimension machte sich bei etlichen Friedensfahrern der Allerwerteste bemerkbar, auch im Nacken oder Rückenbereich fing es nicht nur bei den älteren Radlern an zu zwicken. Immer häufiger kam auch die Frage nach einer Pause auf. Die Frage, ob Supermarkt oder Wirtschaft wurde mit der absoluten Mehrheit zugunsten der lokalen Gastronomie beantwortet. Der Beschluss „Bei nächster Gelegenheit wird eingekehrt!“ wurde angesichts eines **** Sterne Golf-Resorts ‚Am Schloss’ schnell verworfen und wortgleich erneuert. Noch im selben Dorf erfuhren wir dann per Zuruf vor einem unseren Ansprüchen und Finanzrahmen entsprechenden Restaurant: „Under der Wuchn kochn die ned warm!“ und beschlossen, unser Glück in Schlüsselfeld zu suchen. Nach einem kurzen, aber knackigen Anstieg von Untermeisendorf nach Obermeisendorf waren alle im wahrsten Sinne des Wortes über dem Berg, als wir im Schwarzen Adler in Schlüsselfeld die bis dahin gut 1000 verbrannten Kcal deftig nachtanken konnten. Besonders überrascht dürfte die Verkäuferin des örtlichen Supermarktes gewesen sein, als einer unserer Helden ihr gesamtes! Müsliriegelsortiment käuflich erwarb.

Dass das für die Muskelarbeit nötige Blut nach einer Hauptmahlzeit vornehmlich zur Verdauung benötigt wird und für die Vorwärtsbewegung nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung steht, mussten wir in den folgenden Wellen des Steigerwaldes lernen.

Dennoch hatten wir noch einen Blick für die kulturellen Kleinode, die unseren Weg säumten. Hier das ehemalige Wasserschloss von Breitenlohe bei Burghaslach aus dem 15. Jahrhundert

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oder die Schönheit der Landschaft wie in Kästel.

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Nach über 100 Kilometern wurden kleinere Anstiege zu größeren Herausforderungen und der Ruf „Vorne kürzer!“ war in kürzer werdenden Abständen zu vernehmen. Hier zeigt es sich, dass Radsport auch Teamsport ist, da die Kraftreserven, die in manchen Teilnehmern noch schlummerten, mannschaftsdienlich mit der Hand am Rücken eines Mitradlers / einer Mitradlerin dazu verwendet wurden, die letzten Hürden bis zum wohlverdienten Eis in Dechsendorf zu nehmen.

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Nach den ersten 135 Kilometern fühlt es sich besonders gut an, zu essen worauf und in welcher Menge man gerade Lust hat, sich in ein kühles Bett zu legen und darauf zu hoffen, dass bei der nächsten Ausfahrt die Schmerzen im Nacken, im Sitzbereich und in den Händen der Vorfreude auf die neuen Erlebnisse rund um ERH gewichen sein werden. Kurz vor dem Einschlafen lässt man die Bilder des Tages Revue passieren und kann kaum glauben, welch einen Ritt man hinter sich gebracht hat.

Gute Nacht!

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Tag 2

Da für den kommenden Tag schlechtes Wetter gemeldet war und uns die erste Etappe unserer Landkreisumfahrung noch sehr in den Knochen und anderen Körperteilen steckte, wurde die zweite Etappe kurzerhand um einen Tag verschoben. Angesichts der bereits erbrachten Anstrengung und der Terminänderung war die Teilnahme diesmal freiwillig.

Dass sich trotz anders lautender Wetterprognose 12 Unerschrockene bei leichtem Sprühregen und unangenehmen 9 Grad auf dem Parkplatz des ASG eintrafen, spricht für die Motivation der Gruppe.

Noch leicht erkältet und schon ziemlich durchgefroren mussten zwei unserer Teilnehmer schon nach wenigen Kilometern den Rückweg antreten, da es wenig Freude und keinen Sinn macht, bereits angeschlagen 120 anstehende Kilometer durch den östlichen Teil des Landkreises mit seinen Anstiegen in der Fränkischen Schweiz anzugehen.

So manch einer hätte sich jetzt wärmende Ärmlinge und Beinlinge gewünscht, die uns aber in Kürze zur Verfügung stehen sollen.

Doch bald darauf wich der Niederschlag sogar lichten Stellen am wolkenverhangenen Himmel und gab den Blick auf das Walberla frei.

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Hier stieß dann unverhofft mit Horst Gnas, von dem in Kürze in einem eigenen Artikel noch zu lesen sein wird, ein weiterer Teilnehmer der Friedensfahrt nach Oradour zu unserer Gruppe. Leider musste uns Fritz Körber an dieser Stelle schon verlassen, da er einen „jour sans“ hatte, wie die Franzosen zu sagen pflegen, wenn ein Radsportler einen schlechten Tag erwischt. Mit einer Einladung zu Kaffee und Kuchen bei sich daheim verabschiedete er sich, um in seinem Rhythmus weiter zu fahren.

Ganz angetan von der malerischen Route, die uns dann zunächst über Gräfenberg, nach Lilling und Kirchröttenbach führte, beschlossen manche schon, sobald wie möglich diese Strecke erneut abzufahren, während andere wiederum ihre Oberschenkel verstärkt wahrnahmen.

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Nicht schlecht staunten wir dann, als wir direkt vor unserer Kaffeepause in Behringersdorf zu einem weiteren Gruppenbild mit Fritz Körber kamen, obwohl dieser schon längst in der guten Stube mit Kaffee und Gebäck auf uns wartete.

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Dort wurden wir herzlich empfangen, konnten uns aufwärmen und alte wie frische Erlebnisse austauschen.

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Die restlichen 40 Kilometer führten uns durch die würzigen Düfte des Knoblauchslandes, wo wir uns schon dem Ziel ganz nahe wähnten, wären es doch auf direktem Wege nur ein paar Kilometer bis Erlangen gewesen. Da wir aber den (Land-)Kreis schließen wollten, durchquerten wir den Wiesengrund der Regnitzauen Richtung Obermichelbach, überwanden die letzten Höhenmeter nach Herzogenaurach und konnten, nachdem wir die Zentrale der Weltmarke mit den drei Streifen passiert hatten, schon die Skyline Erlangens erblicken.

Nach dieser anstrengenden, aber kontrastreichen zweiten Etappe blicken wir erschöpft und zufrieden auf zwei schöne Radtage zurück, in denen wir unsere Heimat an mancher Stelle neu entdecken konnten und gleichzeitig sahen, welche Aufgabe in der Ferne auf uns wartet.

Zunächst freuen wir uns aber über die Einladung des Bezirkstagspräsidenten zu einer Feierstunde anlässlich des 20. Partnerschaftsjubiläums Limousin – Mittelfranken nach Ansbach am 4. Mai, der wir mit 4 Personen folgen.

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