17. Mai 2015: Interview mit Horst Gnas, Weltmeister der Steher von 1971, 1972 und 1973

Judith Wahl und Sophie Stiehler, Schülerinnen des P-Seminars „Friedensfahrt nach Oradour“, trafen den dreimaligen Weltmeister im Steherrennen, Horst Gnas, der auch bei der Friedensfahrt nach Oradour mitfährt, um einen Einblick in seine Leidenschaft, das Rennradfahren, zu bekommen.

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Herr Gnas, wie kamen Sie zum Rennradfahren?

Ich komme aus der ehemaligen DDR und bin dort als Jugendfahrer Rennrad gefahren, da ich „Täve“ (Gustav-Adolf Schur) kannte, der das Symbol des Rennradfahrens in der DDR war.

Wie war es, bei Ihrer ersten WM anzutreten?

Das war 1968 in Brünn in Tschechien. Wir sind ins kalte Wasser gesprungen, weil ich einen Schrittmacher hatte, mit dem ich vorher nicht gefahren bin. Ich bin als Letzter nicht in den Endlauf gekommen, was mich damals sehr geärgert hat. Deswegen habe ich noch mehr trainiert und auch die Zusammenarbeit mit dem Schrittmacher verbessert. 1970 war ich Zweiter bei der WM, 1971-73 dann Erster. (Anmerkung. in Varese / Italien, Marseille / Frankreich und San Sebastian / Spanien)

Wie war es, zu wissen, dass man in seiner Disziplin der Beste der Welt ist?

Geht einem natürlich schon gut. Ehrgeizig war ich schon auch, eigentlich schon immer. Du musst dich halt immer jedes Jahr darauf versteifen, zu einem bestimmten Zeitpunkt fit zu sein. Das ist schon schwierig, aber wenn ich auf dem Fahrrad saß, dann hab ich das geschafft, mich ganz und gar darauf zu konzentrieren. Und ich hatte auch nie das Gefühl, durch das viele Training irgendetwas verpasst zu haben, da es mir einfach sehr wichtig war.

Gibt es ein Erfolgsgeheimnis, das Sie soweit gebracht hat?

Also… Doping gab’s früher keins bei uns (lacht). Ist eigentlich nur Trainingssache. Sagen wir so: Beim Steherrennen ist es für mich wichtig gewesen, die „Härte der Straße“ zu haben, ich bin ja auch viele Straßenrennen gefahren. Also auch mit vielen Bergen, vor jedem Steherrennen bin ich bergige Strecken gefahren, weil ich den Druck brauchte. Die anderen Steher konnten das nicht, sie konnten nur flach fahren. Sie brauchten den Tritt, aber ich hab den Druck gebraucht. Sie sind mir dann mit dem Auto hinterher gefahren, um zu schauen, was ich denn da mache.

Also kann man sagen, dass die „Berge“ ihr Erfolgsgeheimnis waren?

Ja.

Wie hat sich die Technik an Rennrädern von damals bis heute verändert?

Beim Steherrennen haben sich an sich nur die Laufräder verändert, sie sind jetzt zu Scheibenrädern geworden. Früher haben wir Speichen in den Rädern gehabt.

Sie sind früher viele Steherrennen gefahren. Gefällt Ihnen das besser als Straßenrennen und falls ja, wieso?

An sich beides gleich. Straße bin ich eigentlich gerne gefahren, ich habe da ja auch über 100 Rennen gewonnen. Und dann bin ich erst zur „Steherei“ gekommen, wobei die Straßenrennen eine wichtige Voraussetzung waren. Die meisten Steherrennfahrer sind auch Straßenrennen gefahren. Das hat sich beides ein bisschen ergänzt, weil wir auf der Straße auch zum Beispiel viel den „runden Tritt“ trainiert haben, also dass man die Pedale gleichmäßig belastet, was dann hilfreich für die Steherrennen war.

Was ist ihrer Meinung nach der schönste Ort, wo Sie mit dem Rennrad unterwegs waren?

Der schönste Ort war definitiv Japan, in Tokio. Das war das Highlight. Da sind so viele Menschen, wie bei einem Fußballspiel! 30, 40 Tausend Zuschauer! Die Rennen werden dort immer live übertragen und die Leute wetten auf das Rennen. Wenn Pause ist, sind alle auf einmal weg und wetten, wer gewinnt. Also Japan war schon schön.

Was war Ihr eindrucksvollstes Erlebnis auf dem Rennrad?

Das Eindrucksvollste für mich war die dritte WM, in San Sebastian in Spanien. Dort bin ich plötzlich ohne Schrittmacher da gestanden (Anmerkung: Horst Gnas hatte immer einen niederländischen Schrittmacher, aber da die Regeln geändert worden sind, hat er bei der dritten WM plötzlich einen deutschen gebraucht), und dann wurde ein Deutscher eingeflogen mit dem ich ohne ein einziges Mal gemeinsames Training Weltmeister geworden bin. Das war für mich schon ein Highlight.

Und was war Ihr kuriosestes Erlebnis auf der Rennstrecke?


Das war, als ich bei einem Finale, bei dem ja immer ausgelost wird, wer vorne und wer hinten startet, ganz hinten auf Platz 10 starten musste. Es ist unheimlich schwierig, an den anderen vorbei zu kommen. Und trotzdem bin ich da Erster geworden und habe es geschafft, alle andere zu überholen, und das in 3 Runden (Anmerkung: um die 100 Runden werden insgesamt gefahren, Renndistanzen von 100 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 85 km/h mit Spitzen von über 100 km/h sind im Spitzensport keine Ausbahme.).

Wie kamen Sie dazu bei der Radfernfahrt nach Limoges mitzufahren?

Da war ich beim „Untheim“, bei dem Fahrradgeschäft in Eckental, da kam der Christian Jechnerer rein und erzählte mir von der Fahrt. Ich habe von dem Projekt gar nichts gewusst, und dann meinte er, ich soll doch mitfahren. Nachdem er mir noch mehr über die Friedensfahrt und den Sinn dahinter erklärt hatte, habe ich mir gedacht, warum nicht, und habe mich dazu entschlossen mitzufahren. Ich wusste nicht genau, ob das zeitlich klappt, weil ich davor drei Wochen in Irland Rennrad fahre, aber jetzt ist da eine Woche Pause dazwischen, also geht das schon.

Was ist Ihre Motivation bei langen Strecken weiterzufahren?


Es ist bei uns immer so: es fahren zwei Mann mit dem Wohnmobil voraus, da weiß man dann, nach 150 km steht er und dann gibt’s was zu essen (lacht).
Naja und mein Partner, den ich habe, der fährt auch ganz gut, das ist dann auch motivierend.

Gibt es Tipps und Tricks, die Sie uns für die Radfernfahrt auf den Weg geben würden?

Beim Radfahren ist es wichtig, das Essen nicht zu vergessen. Noch wichtiger ist das Trinken, gerade wenn es so heiß ist. Da gibt’s einige Pulver oder Vitamintabletten zum Einmischen. 
Beim Fahren und Trainieren, finde ich, ist das Wichtigste langsam anzufangen, und in einem kleinen Gang, damit man schnell tritt, nicht gleich in so einem riesigen Gang. Schön losfahren, schön einrollen, und dann kann man irgendwann schalten. Dann würde ich euch außerdem empfehlen, wenn ihr eingefahren seid, bei kleineren Bergen nicht runter zu schalten, sondern einfach in dem Gang, indem ihr davor wart, drüber zu fahren. Das bringt enorm viel fürs Training.

Vielen Dank an Horst Gnas für das Interview!