Tour der Ra(d)häuser: Etappen 9 und 10: Steine, Schläuche und Minnesang

Vieles ist eine Frage der Perspektive. So stellen nach Ausflügen ins Altmühltal oder in den westlichen Steigerwald Strecken wie die nach Stein und Wendelstein fast schon Ausflüge in die Nachbarschaft dar, die wegen des straffen Pensums, das es zu bewältigen gilt, auf Tage unter der Woche gelegt werden müssen. Dass Max Jacobs trotz einer bevorstehenden Prüfung den Nachmittag freinehmen konnte, erklärte er lapidar mit den Worten: „Man kann sich seine Zeit ja auch einteilen.“ Wir lernen für das Leben!

So traten wir in die Pedale, um vor Bgm. Krömers Amtssitz auf unseren fleißigen Radsportler Fritz Körber zu treffen, dem es ebenfalls gelungen war, eine passende Lücke in seinem prall gefüllten Terminkalender frei zu schaufeln. Zwischen einer Beerdigung und einer anschließenden Besprechung überreichte uns der Rathauschef mit einem Grußwort an die Freunde in Guéret ein weiteres Mosaiksteinchen für unser Gastgeschenk.
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Dass wir obendrauf noch mit praktischen Schlauchtüchern für alle 34 Teilnehmer bedacht wurden, wärmt nicht nur die abgebildeten Körperteile, sondern auch das Herz. Herzlichen Dank!

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Weiter ging es für die Friedensfahrer vorbei am sagenumwobenden Reichelsdorfer Keller, einer Radsportbahn mit großer Tradition, sozusagen auch das sportliche Wohnzimmer unseres Teamkollegen Horst Gnas. In Wendelstein wurden wir von Bgm. Langhans empfangen, der uns trotz fortgeschrittener Tageszeit empfing und im Gespräch zeigte, dass die völkerverständigende Wirkung des Städtepartnerschaftsgedankens auch für ihn eine Herzensangelegenheit ist.
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Ungünstige Wetterprognosen für die Fahrt nach Burgoberbach und Wolframs-Eschenbach zwangen uns, die für Samstag angesetzte Tour auf den Sonntag zu verlegen. Dankenswerterweise waren die Herren Bgm. Rammler und 2. Bgm. Schlackl so flexibel, dass unserem Terminwunsch entsprochen werden konnte.

Wie wichtig es ist, radfahrtechnisch und technisch allgemein sehr gut vorbereitet die lange Tour nach Limoges anzugehen, zeigte sich auf dem immerhin 150 Kilometer langen Ritt nach Westmittelfranken. Ein schon beim Start bis auf den letzten Faden durchgefahrener Mantel mit Plattfuß, eine nicht funktionierende Schaltung oder ein immer noch nicht richtig eingestellter Sattel zwingen auch die stärksten Athleten in die Knie. Spät aber doch zeigt sich, dass Empfehlungen und Ratschläge befolgt werden sollten. Um den Erfolg der Gruppe nicht zu gefährden, müssen aus Empfehlungen Anweisungen werden. Die Räder müssen beim Start in technisch einwandfreiem Zustand sein! Der Teufel liegt im Detail – in Burgoberbach aber auch auf dem Boden vor dem Treppenaufgang hinauf zur Pfarrkirche St. Nikolaus, wo er versucht, einen tapferen Ministranten zu sich hinunterzuziehen. So kurz vor den Kirchenpforten und geschützt von Bgm. Rammler und einigen Friedensfahrern bei der Übergabe des Grußwortes zum Freundschaftsbuch wird ihm das wohl kaum gelingen.

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Nur wenige Kilometer weiter östlich erwartete uns 2. Bgm. Schlackl in der Minnesängerstadt Wolframs-Eschenbach, ein Juwel Frankens, das mit seinen knapp 3000 Einwohnern immerhin seit 1332 das Stadtrecht besitzt. Einen Besuch ist der mittelalterliche Ort der Grablege des gleichnamigen Minnesängers, der auch schon als Filmkulisse diente, allemal wert. Hier stehen wir vor dem Denkmal zu Ehren des berühmtesten Sohnes der Stadt, dessen Sockel mit Brunnen von Eduard von Riedel entworfen wurde, der auch für die Pläne von Schloss Neuschwanstein verantwortlich zeichnete.
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Anschließend stärkten wir uns stilgerecht im Café Parzival, um die zweite Hälfte unserer steinigen Gralssuche zu einem guten Ende bringen zu können.
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