Tour der Ra(d)häuser: Etappen 12 und 13 oder: La petite grande boucle, Teil 1

Die große Schleife, wie die Tour de France auch gerne genannt wird, haben wir im mittelfränkischen Kleinformat zurückgelegt, um gleich 9 Grußworte in Empfang nehmen zu können. Ein wahrer Parforceritt, der uns an die Grenzen (Mittelfrankens) und darüber hinaus brachte.
Die Anzahl sowie die Distanzen der inzwischen 35 Rathäuser, die wir für unser Freundschaftsbuch aufsuchen, verlangen ein ausgeklügeltes Zeitmanagement. Sobald sämtliche Botschaften aus den Rathäusern eingeholt sind, werden die Friedensfahrer 1750 Kilometer in alle Winkel Mittelfrankens geradelt sein, mehr als sie auf dem Weg nach Oradour erwartet, für den knapp 1500 Kilometer veranschlagt sind.
Da mit Hilpoltstein, Gunzenhausen, Oettingen, Wassertrüdingen, Schopfloch, Schillingsfürst, Colmberg, Flachslanden und Dietenhofen viele Eindrücke zu verarbeiten sind, wird dieser Bericht in drei Etappen erscheinen.
Trotz strahlenden Sonnenscheins waren die tapferen sechs Radler gut beraten, auch wärmere, ja sogar regenfeste Ausrüstungsgegenstände auf dem Rücken mitzuführen, da die Informationen verschiedener Wetterdienste für Tag zwei so manche Stirn in Falten legten. Da ein Abiball, eine Führerscheinprüfung und zu guter Letzt auch noch die anstehenden Studienfahrten unserer 11. Jahrgangsstufe mit unserer Rundfahrt konkurrierten, ist das Engagement der Teilnehmer dieser Ausfahrt besonders hervorzuheben. Andere begleiteten uns auf den ersten 40 Kilometern bevor sie umkehrten. Jeder Trainingskilometer ist wichtig – in der Gruppe gefahren noch wertvoller.
Die Anfahrt nach Hilpoltstein über Fürth, Nürnberg und Roth, dem Mekka des Triathlonsports in Deutschland, musste einfach hinter sich gebracht werden. Unzählige rote Ampeln, dichter Verkehr sowie stark befahrene Landstraßen entsprechen nicht den idealtypischen Vorstellungen von Radtouren.
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In Hilpoltstein wurden wir von Bürgermeister Mahl in den Sitzungssaal gebeten, wo wir in nahezu herrschaftlichem Ambiente unseren Flüssigkeitsverlust ausgleichen konnten, bevor uns das Grußwort aus Hilpoltstein überreicht wurde.

Die Einladung in ein benachbartes Eiscafé in der idyllischen Innenstadt der Partnerstadt von Seilhac mussten wir leider ausschlagen, da uns bereits um 19 Uhr Herr Bgm. Fitz in Gunzenhausen erwartete.
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Auch hier konnten wir uns nicht lange aufhalten, hieß es doch nun in den Landkreis Donau-Ries im Regierungsbezirk Schwaben nach Oettingen zu fahren, um Frau Bgmin. Wagner zu treffen. Warum beteiligt sich denn ein Ort aus Schwaben an unserem mittelfränkischen Projekt? Nun, Oettingen liegt auch in der Region Hesselberg, zu der sich alle Gemeinden zählen dürfen, die den Hesselberg aus ihrem Gemeindegebiet erblicken können. Die Region Hesselberg ist wiederum dem Bezirk Mittelfranken zuzuordnen, wodurch Oettingen auch einen berechtigten Platz ist unserem Freundschaftsbuch haben soll.
Die Herzlichkeit und die unkomplizierte, ja freundschaftliche, Aufnahme in Oettingen ließ manche unserer Radler ganz verblüfft zu der Aussage hinreißen, dass die Menschen da ganz anders seien als sie es kennen.
Zunächst konnten wir die Rathauschefin nicht vor dem schönen Fachwerkensemble in Oettingens Innenstadt antreffen. Schnell wurde uns erklärt, dass sie bestimmt auf dem Historischen Markt ganz in der Nähe zu finden sei, wo wir nach kurzer Suche Frau Wagner trafen. Gerne nahmen wir ihre Einladung an, uns an den Buden um die Festveranstaltung herum zu versorgen, waren wir doch bereits 135 Kilometer geradelt. Unseren Plan noch nach Wassertrüdigen weiter zu radeln, „vereitelte“ sie charmant, nachdem sie mit ihrem Familienrat gesprochen hatte und uns spontan bei sich daheim ein Quartier für die Nacht anbot. Die Gesichter der tapferen Friedensbotschafter machten jede weitere Nachfrage überflüssig und so kam es, dass wir am kommenden Morgen nicht nur von vereinzelten Regentropfen auf den Dachliegefenstern unserer Unterkunft, sondern auch vom Kaffeeduft der für uns eingedeckten Frühstückstafel geweckt wurden. Wenn man sich auf kleine Abenteuerreisen begibt, weiß man nicht, welche Überraschungen der Tag für einen bereit hält. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Familie Wagner für ihre Gastfreundschaft bedanken!

Fortsetzung folgt…
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