Tour der Ra(d)häuser, Etappe 13 / La petite grande boucle, Teil 2

Das Zusammenspiel von reich gedecktem Frühstückstisch und nasskalten Witterungsverhältnissen, vielleicht auch die Kilometerleistung des Vortages, ließen unsere Friedensfahrer nur zögerlich zu ihren sicher in der Garage wartenden Drahteseln gehen. Doch sollten wir neben dem Bürgermeister auf zwei Radler unserer Gruppe in Wassertrüdingen treffen, die zunächst per Bahn bis Ansbach und dann mit dem Rad zu uns stoßen wollten. Noch ein schnelles Abschiedsfoto mit unserer Gastgeberin Frau Wagner und schon waren wir wieder ‚en route‘. Die zwölf flachen Kilometer bei leichtem Nieselwetter wollten wir zügig zurücklegen, doch schon bald wurde ein Geldbeutel vermisst. Zum Umkehren war es zu spät und wir setzten nach kurzer Beratung die Reise fort, nur, um wenige hundert Meter später von einer verhedderten Kette ausgebremst zu werden. Erneut verstrich wertvolle Zeit, Finger und Himmel wurden schwarz. In Wassertrüdingen erwartete uns ’nur‘ Bürgermeister Babel, nicht aber unsere beiden Mitstreiter, die wohl das warme Federbett dem harten Radsattel für diesen Tag den Vorzug gegeben hatten.
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Bei einsetzendem Regen verließen wir die Wörnitzstadt Richtung Aufkirchen. Gerne hätten wir es den Profis der letzten Deutschlandtour gleichgetan, die 2008 dem Gipfel des Hesselbergs im Kampf um die Punkte entgegen flogen, doch widerstanden wir dieser sportlichen Herausforderung genauso wie dem Bier, das uns in Aufkirchen von fleißigen Händen angeboten wurde, die dabei waren, ein Dorffest vorzubereiten. So blickten wir nur kurz nach Norden, wo sich der Hesselberg vor der dunklen Schlechtwetterfront gewaltig in Szene setzte. Weiter ging es vorbei am Limeseum in Ruffenhoffen, dem wir auch nur einen kurzen Blick widmen konnten, bevor uns nun stark einsetzender Regen aus der Bewunderung der schönen Kulturlandschaft riss und wir uns dem elementaren Ziel unterordneten, nur einigermaßen trocken in Schopfloch an die Rathauspforte von Bürgermeister Czech klopfen zu können. Leider gingen wir mit diesem Wunsch baden, waren wir doch binnen weniger Augenblicke vollkommen durchnässt und das Wasser rann uns aus den Schuhen. Als wir dann mit gehöriger Verspätung in Schopfloch ankamen, war das Rathaus verwaist und wir standen wie begossene Pudel da. Vielleicht konnten wir das Gemeindeoberhaupt daheim antreffen? In unserer Not klingelten wir dann schon recht durchgefroren bei Familie Czech und mussten erfahren, dass das Familienoberhaupt zwar auf unseren Besuch eingestellt, jedoch nicht mehr aufzufinden war. Sollten wir die Serie unserer Übergabefotos nicht vollenden können? Die Not war groß. Doch waren wir mit Frau Czech und ihrer Tochter auf zwei engelsgleiche Wesen gestoßen, die sich rührend unser annahmen. Ohne Rücksicht auf die Pfützen, die sich unter unseren Füßen bildeten, wurden wir ins Haus gebeten, mit Handtüchern versorgt, ja sogar das Badezimmer
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durften wir verwenden, um mit dem Fön zu trocknen und zu wärmen, was uns am dringlichsten schien. Sehr zu unserer Freude kehrte Herr Czech dann auch zurück und zeigte sich angesichts der veränderten Wohnsituation recht gelassen, ja sogar amüsiert. Als die Regenwolken blauem Himmel wichen, wurden unsere triefnassen Klamotten auf die Wäschespinne gehängt und wir armen Tröpfe mit einer herzhaften Brotzeit verwöhnt. Einer unserer jungen Radler kommentierte die Situation treffend, als er meinte, man müsse dem „Unglück“ in mehrfacher Hinsicht dankbar sein. Es ermögliche intensivere Erfahrungen und schweiße ein Gruppe fest zusammen. Das zuvor bei wirklich trüben Aussichten kein Jammern zu vernehmen war, spricht für den Charakter der Teilnehmer. Chapeau! Bei allem Ungemach, das wir der Familie Czech bereitet haben, wofür wir uns auch an dieser Stelle entschuldigen, werden sie sicherlich genauso wie Familie Wagner aus Oettingen ein wiederkehrender Bestandteil unserer Erzählungen sein. Dass wir mit dem „Schoufet“ von Schopfloch, so die lachoudische Bezeichnung für „Bürgermeister“, einen wahren Experten dieser Sprachinsel vor uns hatten, konnten wir beim Essen feststellen, als uns einige Kostproben des Lachoudischen gegeben wurden. In jeder Hinsicht war unser überfallartiger Besuch in Schopfloch ein verbindendes Erlebnis.
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Frisch getrocknet und gestärkt galt es nun, den durcheinander gewirbelten Zeitplan zu reorganisieren. Inzwischen war unser Teamkollege Wolf Dieter Enser bei widrigen Verhältnissen in Bad Windsheim aufgebrochen und bereits zum vereinbarten Zeitpunkt in Schillingsfürst eingetroffen, der Stadt, die eine besondere Beziehung zu einem im örtlichen Volksmund „Stupfel“ genannten Tierchen pflegt. Er konnte Bürgermeister Trzypinski von unserem Verzug in Kenntnis setzen, wie auch die Bürgermeister, die wir auf unserem weiteren Rückweg nach Erlangen besuchen wollten, was uns eine große Hilfe war. Offenbar hatte er darüber hinaus noch zusätzlich seine Kontakte aktiviert, da just in dem Moment, als wir uns für das Übergabefoto aufstellten,
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eine dunkle Limousine vorfuhr, welcher Bezirkstagspräsident Richard Bartsch entstieg und uns zusammen mit Herrn Bürgermeister Trzypinski das Schillingsfürster Grußwort mit auf die Reise gab. Eine gelungene Überraschung!
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Doch was wäre ein Besuch Schillingsfürsts ohne zumindest vor den Toren des Sitzes des deutschen Hochadels Hohenlohe-Schillingsfürst gestanden zu sein? Die Zeit musste sein, schließlich wollen wir ja mehr als nur von A Nacht B zu radeln.

Fortsetzung folgt…