Etappe 5: Colmar – Belfort: Auf den Spuren der deutsch-französischen Ex-Feindschaften

Heiße Schlafräume und ein verlorener Zimmerschlüssel, der noch vor der Abfahrt gefunden werden musste – das kostete uns schon Kraft vor der „Königsetappe“. Dementsprechend unausgeschlafen ging es bereits um acht Uhr auf die Räder, um die 2400 Höhenmeter und 145 Kilometer in Angriff zu nehmen.

Trotz all dieser Schwierigkeiten machte sich ein Großteil unserer Truppe auf den Weg hoch in die Vogesen. Schon nach den ersten Kilometern durch die idyllischen Weinberge des Elsass waren die Kalorien des Frühstücks verbrannt. Plötzlich bauten sich die Vogesen vor uns auf und die Anspannung wuchs, wie wir diese Herausforderung von 1020 Metern Anstieg meistern würden. Als unser jüngster Mitstreiter nach 400 bereits überwundenen Höhenmetern fragte, wann denn nun der Anstieg beginnen würde, wussten wir, dass wir gut vorbereitet in diese Tour gegangen waren. Oben angekommen erholten wir uns bei einer Tasse Kaffee und Verpflegung aus dem Begleitfahrzeug.

Die restlichen Teilnehmer bevorzugten die Alternativroute entlang des „Canal de l’Ill“. Im Gegensatz zu den Anstrengungen in den Bergen kämpften sich die „Alternativler“ durch die verwinkelten Gassen und zahlreichen Einbahnstraßen Colmars hin zum Kanal. Dort erwartete sie ein gut ausgebauter Radweg, der sie zu einem schattigen Plätzchen an einem Wasserturm führte.

IMG_2522IMG_2583IMG_2526 (1)

Mit brennenden Oberschenkeln erreichten wir die Höhe der Vogesen auf 1223 Metern. Dort fuhren wir dann die Route des Crêtes, eine ursprüngliche Militärstraße, ab. Am Schlachtfeld des „Col du Linge“ waren wir besonders betroffen, als wir unzählige Gräber fanden, auf denen der 22.07.1915 als Todestag markiert war, auf den Tag genau 100 Jahre vor unserem Besuch.

IMG_2531IMG_2541

IMG_2594

Leider konnten wir die schönen Ausblicke nicht ausgiebig genießen, da sich über uns dunkle Gewitterwolken auftürmten. Deshalb mussten wir nach gut der Hälfte der Route des Crêtes in einem Restaurant Zuflucht suchen. Erschöpft gingen wir den letzten, bergabwärts verlaufenden Abschnitt der Strecke an. Über viele Serpentinen und teils verschmutze Straßen meisterten wir die Abfahrt ohne Stürze – lediglich ein platter Reifen hinderte uns kurzzeitig am Weiterfahren.

Den Abschluss der Route des Crêtes bildete der Soldatenfriedhof am Hartmannsweilerkopf, wo wir der allein dort  30.000 gefallenen deutschen und französischen Soldaten im ersten Weltkrieg gedachten.

20150722_155311

Wohlauf, aber erschöpft, kamen beide Gruppen an unserem Hotel an, wo wir mit einer wohltuenden Dusche  Staub und Schweiß, verbunden mit Sonnencreme, abwaschen könnten, um dann gemeinsam zu picknicken. Nach einem kurzem Regenschauer hatte sich die Luft so abgekühlt, dass wir erholsamen Schlaf fanden.

von Felix Deinlein und Emre Yedibela