Besuch in Oradour – eine emotionale Begegnung mit Robert Hébras

Pünktlich um 9 Uhr erwarteten uns Sportfreunde des Radclubs aus Ambazac, um uns auf dem Rad nach Oradour-sur-Glane zu begleiten. Auf der insgesamt 35 Kilometer langen, relativ hügeligen Strecke, wurden wir außerdem von zwei Polizeiautos eskortiert.

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Im neu aufgebauten Oradour wurden wir zunächst im Rathaus empfangen. Da der ursprüngliche Ort im Zweiten Weltkrieg am 10. Juni 1944 von der SS komplett zerstört worden war, erklärte Charles de Gaulle diese Ruinenlandschaft zum Nationalen Monument. Unmittelbar daneben wurde das oben genannte „neue Oradour“ erbaut. Bei diesem Massaker kamen insgesamt 642 Menschen, darunter 400 Frauen und Kinder, ums Leben. Einer der 6 Überlebenden und heute der letzte Zeitzeuge, Robert Hébras, empfing uns mit dem Vertreter des Bürgermeisters herzlich.

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Nach dem Grußwort des Bürgermeisters und Dankesworten von Herrn Jechnerer übergaben wir unser mühevoll gestaltetes Freundschaftsbuch. Als Anerkennung unserer Leistung wurde uns die goldene Medaille der Stadt Oradour überreicht und Herr Jechnerer durfte sich in das goldene Buch der Stadt eintragen.

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Anschließend tauschten wir mit den Radfahrern aus Ambazac Geschenke aus. Nach diesem feierlichen Moment gingen wir in den Festsaal der Gemeinde, eine umgebaute Mühle an der Glane, wo wir alle zusammen Mittag aßen.

Danach besuchten wir das „Centre de la mémoire“, eine Gedenkstätte direkt vor dem Ruinendorf. Die dortige Ausstellung ermöglichte uns tiefere Einblicke in den historischen Verlauf des Kriegsverbrechens. Währenddessen wurden Léo Preißler-Dugrée und Herr Jechnerer von einer Radioreporterin interviewt. Anschließend betraten wir in Begleitung von Robert Hébras das verwüstete Dorf.

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Seine bewegende Geschichte schilderte er uns während des Ganges durch den Ort des Geschehens. Zutiefst berührt erfuhren wir, wie er im Alter von 19 Jahren dem Hinterhalt der Waffen SS nur knapp entkam. In der Kirche gab er uns einen Einblick in seine Gefühlswelt, als er uns erzählte, dass dieser Ort bei all seinen Besuchen für ihn auch nach vielen Jahrzehnten am schwersten zu ertragen ist, da hier seine Mutter und seine beiden Geschwister auf grausame Weise ums Leben kamen. Er hoffe nur, dass sie möglichst schnell gestorben seien.

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Mit dem darauffolgenden Friedhofsbesuch, der Kranzniederlegung und einer Schweigeminute, erreichten wir den emotionalen Höhepunkt unserer Friedensfahrt. Ein besonderes Privileg wurde uns zuteil, da wir am Denkmal der Martyrer einige vorbereitete Worte an den Kreis der Anwesenden richten durften.

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Wieder zurück am Rathaus warteten bereits neue Begleiter des Radclubs „JA Isle“ auf uns.

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Sie führten uns über kleine Landstraßen zum Rathaus von Isle, wo wir von der Gemeinde zu einem herzhaften „Dîner Campagnard“ eingeladen wurden.

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Kurz vor Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den endgültig letzten Abschnitt unserer Radtour zu unserem Hotel. Körperlich und emotional erschöpft von diesem ereignisreichem Tag waren wir froh, in unsere frisch bezogenen Betten zu fallen.

von Emre Yedibela und Lukas Hoppe